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Reiseziele6 Min. Lesezeit

Das ungarische Meer: Der Balaton mit kleinem Budget

Der warme, flache Balaton ist Mitteleuropas Budget-Sommermeer – erreichbar per Billigflug nach Budapest und einer kurzen, günstigen Zugfahrt nach Westen.

Blick zur goldenen Stunde über die ruhigen, flachen Gewässer des Balaton auf die sanften vulkanischen Hügel und Weinberge des ungarischen Ufers, mit einem hölzernen Steg und Segelbooten in der Ferne.

Das ungarische Meer – eine Erklärung

Ungarn hat keine Küste, also hat es seinen Sommer um einen See herum gebaut – und das nicht gerade bescheiden. Der Balaton erstreckt sich über rund 77 Kilometer im Westen des Landes und ist damit der größte See Mitteleuropas. Wichtiger als das ist an einem 35-°C-Nachmittag jedoch, dass er flach ist: Große Teile sind nur zwei bis drei Meter tief, sodass sich das Wasser schnell erwärmt und im Hochsommer oft 25 °C erreicht. Die Ungarn nennen ihn seit Generationen „das ungarische Meer", und nach dem ersten Schritt in dieses badewannenwarme Flachwasser versteht man auch, warum. Kein Salz, keine Gezeiten, keine mediterranen Preise – nur warmes Wasser, in dem man weit hinauswaten kann, umrahmt von vulkanischen Hügeln und Weinbergen.

Für alle, die mit einem Billigflieger unterwegs sind, gehört der Balaton zu den besten Sommerzielen Europas fürs Geld. Man landet in Budapest, fährt mit einem günstigen Zug nach Westen und steigt in der Nähe von Wasser aus, in dem man noch hundert Meter vom Ufer entfernt bis zur Hüfte stehen kann.

Anreise, ohne zu viel zu bezahlen

Der Flughafen Budapest Ferenc Liszt (BUD) ist eine wichtige Basis für Ryanair und Wizz Air, weshalb die Preise aus ganz Europa oft erstaunlich niedrig sind, wenn man frühzeitig bucht und leicht reist. Vom Flughafen fährt der Flughafenbus 100E direkt ins Zentrum zum Deák Ferenc tér – für ein paar Euro und damit deutlich günstiger als ein Taxi.

Von der Budapester Innenstadt fahren die Züge zum See von den Bahnhöfen Déli und Kelenföld ab. Je nachdem, welchen Ort man ansteuert, dauert die Fahrt etwa 1,5 bis 2,5 Stunden und kostet in der zweiten Klasse selten mehr als 10–15 €. Betreiber ist die staatliche Bahngesellschaft MÁV; vor der Reise lohnt ein Blick auf die aktuellen Fahrpläne, da manche Orte direkt angebunden sind, während man für andere umsteigen muss. Am See selbst verlaufen die Bahnlinien an beiden Ufern entlang, sodass man mit dem Zug von Strand zu Strand hüpfen kann, ganz ohne Mietwagen.

Diese Reise belohnt leichtes Gepäck – man wechselt ständig zwischen Zügen, Fähren und Stränden, und eine Tasche, die man in Sekunden über die Schulter wirft, schlägt jeden Rollkoffer auf Bahnhofstreppen. Der Kompressions-Rucksack von Ryanwear ist so bemessen, dass er als persönliches Gepäckstück bei Ryanair kostenlos mitfliegt, und verschwindet für die Zugetappen einfach auf dem Rücken – hier geht's zum Sortiment – aber wie auch immer man packt: Ein einziges Gepäckstück, das man den ganzen Tag tragen kann, reicht völlig.

Südufer oder Nordufer?

Der Balaton hat zwei sehr unterschiedliche Gesichter, geteilt entlang seiner langen Achse. Wählt euren Standort danach, wie eure Nachmittage aussehen sollen.

SüduferNordufer
AtmosphäreStrände, Familien, NachtlebenWein, Kurorte, Ruhe
WasserSehr flach, weites HinauswatenNäher am Ufer schon tiefer
AnkerstadtSiófokBalatonfüred
Am besten fürSonnenbaden und AusgehenRuhige Tage und weite Blicke
LandschaftFlach und strandigHügelig und malerisch

Südufer: Flaches Wasser und lange Nächte

Das Südufer zeigt den Balaton von seiner geselligsten Seite. Siófok ist die inoffizielle Hauptstadt des Sommers – breite öffentliche Strände, so flaches Wasser, dass man hundert Meter hinauswaten kann, und eine Nachtleben-Meile, die bis zum Morgengrauen laut bleibt. Der sanft abfallende Boden macht den Ort tagsüber bei Familien beliebt und nach Einbruch der Dunkelheit zur Partyzone. Anfang Juli findet in der Nähe, in Zamárdi, das Elektro-Festival Balaton Sound statt und bringt ein jüngeres Publikum an die Küste; wer es mitnehmen – oder lieber meiden – möchte, sollte die aktuellen Termine prüfen.

Nordufer: Wein, Hügel und Ruhe

Wechselt man ans Nordufer, drosselt sich das Tempo. Balatonfüred ist ein elegantes, altes Kurstädtchen mit einer Uferpromenade, die nach dem Dichter Rabindranath Tagore benannt ist, der sich hier in den 1920er-Jahren erholte. Nur ein Stück weiter westlich ragt die Halbinsel Tihany in den See hinein, gekrönt von einer Benediktinerabtei und umgeben von Lavendelfeldern, die im Juni und Anfang Juli blühen. Etwas weiter liegt der vulkanische Höhenzug von Badacsony, Weinland, wo der lokale Olaszrizling-Weißwein in Kellern am Hang ausgeschenkt wird, während der See darunter glitzert. Es ist grüner, ruhiger und schöner als der Süden – und eine kurze Fährfahrt von Tihany nach Szántód bringt einen jederzeit zurück ans andere Ufer, wenn einem nach einem Strandtag ist.

Abkühlen und Auftanken mit kleinem Budget

Das Schöne am Balaton: Ein richtig guter Tag hier kostet fast nichts.

  • Strände: Die meisten Orte haben einen „strand", einen bewirtschafteten öffentlichen Strand mit kleinem Eintritt, sowie kostenlose wilde Plätze etwas weiter entfernt. Der Boden am Südufer ist weich und schlammig statt steinig – angenehm für nackte Füße.
  • Essen: Hier ist lángos-Land – frittierter Teig mit saurer Sahne und Käse –, serviert neben gegrilltem Fogas (Zander, dem Wappenfisch des Sees), Palatschinken-Pfannkuchen und spiraligem Kürtőskalács. Ein Mittagessen am See sprengt selten das Budget.
  • Trinken: Bestellt einen Fröccs, die ungarische Weinschorle, idealerweise mit einem frischen Weißwein vom Nordufer. Genau das Richtige zum Sonnenuntergang.
  • Thermal-Alternative: Am westlichen Ende, bei Keszthely, liegt Hévíz, einer der größten badbaren Thermalseen Europas – ganzjährig warm und ein guter Plan B, falls das Wetter mal launisch wird.
  • Auf zwei Rädern: Ein rund 200 Kilometer langer Radweg umrundet den gesamten See. Man muss nicht alles fahren – leiht euch ein Rad und nehmt euch einen flachen, malerischen Abschnitt zwischen zwei Orten vor.

Ein lockerer Fünf-Tage-Plan

  1. Flug nach Budapest, mit dem Bus 100E ins Zentrum, dann am Nachmittag mit dem Zug nach Balatonfüred. Bei Einbruch der Dämmerung über die Promenade schlendern.
  2. Tihany einen ruhigen Tag widmen – Abtei, Lavendel und der weite Blick zurück über das Wasser. Vor dem Abendessen schwimmen.
  3. Weiter nach Badacsony: eine kurze Wanderung den vulkanischen Hügel hinauf, dann ein langes Mittagessen mit lokalem Wein in einem Weinkeller.
  4. Mit Fähre oder Zug hinüber nach Siófok für einen echten Strandtag am Südufer – flaches Wasser, Eis und, wer mag, eine lange Nacht.
  5. Ein ruhiger Morgen, ein letztes Bad, dann mit dem Zug zurück nach Budapest zum Rückflug.

Umkehren, verlängern oder auf ein langes Wochenende kürzen – der See verzeiht vieles.

Gut zu wissen, bevor es losgeht

  • Saison: Juli und August sind Hochsaison – am wärmsten, vollsten und teuersten. Im Juni oder Anfang September gibt es günstigere Zimmer, weniger Trubel und immer noch angenehmes Badewasser.
  • Geld: Ungarn nutzt den Forint, nicht den Euro. Karten funktionieren fast überall, aber etwas Bargeld für Strandkioske und die kleineren Fähren lohnt sich.
  • Frühzeitig buchen: In der Hochsaison sind Zimmer am See und Züge zur Festivalzeit schnell ausgebucht – lieber reservieren als bei der Ankunft auf gut Glück hoffen.
  • Der Hitze entkommen: Vormittags und am späten Nachmittag schwimmen und Rad fahren, und sich bei sengender Sonne auf eine schattige Promenade oder in einen kühlen Weinkeller zurückziehen.

Für die Planung hält das nationale Tourismusbüro VisitHungary aktuelle Veranstaltungstermine bereit, und die Wikipedia-Seite zum Balaton ist eine solide Einführung in Geografie und Ortschaften. Bucht eine leichte Tasche, einen günstigen Flug und ein Zugticket – und schon gehört euch ein ganzes Sommermeer fast allein.

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